Notizen aus der Praxis

KI-Tagebuch

Kein Newsletter, kein Redaktionsplan — nur kurze Gedanken darüber, was mich gerade bei KI, Stoizismus, Schach und dem Bauen von Dingen beschäftigt.

14. März 2026

Warum ich kein KI-Optimist bin — und trotzdem täglich damit baue

Optimisten glauben, dass KI die Welt rettet. Pessimisten glauben, dass sie sie zerstört. Ich bin keins von beidem — ich bin Admin. Admins glauben weder an Wunder noch an den Untergang. Sie schauen in die Logs, finden das Problem und fixen es.

KI ist ein System. Systeme haben Schwachstellen, Konfigurationsfehler und Ausfälle. Meine Aufgabe ist dieselbe wie immer: verstehen wie es funktioniert, verstehen wo es versagt, und es so bauen dass es verlässlich läuft. Kein Hype. Keine Angst. Nur Arbeit.


12. März 2026

KI erinnert mich an schlechte Admins

Schlechte Admins dokumentieren nichts, loggen nichts und wundern sich dann wenn's brennt. Sprachmodelle sind genauso: Sie erinnern sich an nichts, erklären ihre Entscheidungen nicht und halluzinieren munter drauflos.

Der Unterschied? Beim Admin kann man nachfragen. Bei der KI muss man das System so bauen, dass sie gar nicht erst halluzinieren kann. Das ist Prompt-Engineering auf Systemebene — nicht "bitte sei präzise" als letzte Zeile, sondern Constraints, Validierungsschleifen und klare Fehlerpfade von Anfang an.


8. März 2026

Schach lehrt, was KI nicht kann

Eine Schach-Engine bewertet eine Stellung mit +1.3 — aber sie erklärt nicht warum. Sie kennt das Muster nicht, sie hat es nur in Milliarden Partien gesehen. Mein Schachtraining ist das Gegenteil: Ich will das Warum verstehen, nicht das Ergebnis auswendig lernen.

Genau dieser Unterschied — Bewertung vs. Verständnis — ist der blinde Fleck der meisten KI-Projekte. Man misst Outputs, aber niemand fragt warum das Modell so entschieden hat. Erklärbarkeit ist keine akademische Spielerei. Sie ist das, was aus einem KI-Experiment ein verlässliches System macht.


3. März 2026

Laufen als Antithese zur KI-Beschleunigung

KI beschleunigt alles: Texte, Entscheidungen, Prozesse. Laufen tut das Gegenteil. Keine Abkürzungen, keine Optimierungen — man muss jeden Meter selbst absolvieren. Beim Hochhaustreppen-Lauf im MesseTurm (61 Etagen, über 1.200 Stufen) hilft keine KI. Da ist nur Atem und Wille.

Epiktet hätte KI wahrscheinlich als perfektes Beispiel für "was nicht in unserer Macht steht" beschrieben: mächtig, unkontrollierbar, nicht wirklich verstanden. Laufen ist das Gegenstück — vollständig in meiner Macht, vollständig in meinem Körper, vollständig im Moment.


24. Februar 2026

Das Impressum-Problem als KI-Metapher

Ich habe heute ein Impressum für diese Website gebaut. Klingt langweilig — ist aber interessant: §5 TMG verlangt Name, Adresse, Kontakt. Drei Felder. Trotzdem fehlen auf Tausenden deutschen Websites korrekte Impressen. Nicht weil es schwer ist, sondern weil man es einfach nicht macht.

KI-Systeme sind ähnlich: Die Grundlagen (klare System-Prompts, Validierung, Fehlerbehandlung) sind bekannt. Trotzdem werden sie nicht eingebaut. Compliance und Qualität sind kein Wissens-, sondern ein Willensproblem. Das ist der eigentliche Job des KI-Administrators.


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